Archiv für den Monat: September 2013

Dobar Den Bulgaria

Die Grundsatzfrage, wieso überhaupt Blog schreiben? Um euch neugierig zu machen? Oder neidisch? Oder weil es uns langweilig ist? Keine Ahnung, aber der Effort reicht nur für einen Landeseintrag. Das kyrillische Alphabet spare ich mir, ist zu mühsam. Es reicht, die Schilder beim  Fahren und die Karte im Restaurant zu entziffern. Meist gelingt es.

Bulgarien im Allgemeinen: die Strassen sind viel besser als ihr Ruf. Die haben die herrlichsten alten Schlitten zu bieten. Nett sind sie unglaublich. Das Essen und der Wein lassen keine Wünsche offen. Die Berge sind spektakulär.

Die Schwarzmeerküste: Varna ist eine pulsierende Stadt mit einem hässlichen Strand in der Nachsaison. Nessebar platzt aus allen Nähten vor lauter Touristen und Sozopol ist eine Schuhnummer kleiner. Wie auch immer, wir bleiben ein paar Tage, weil wir eine Pause und wieder mal Sand brauchen. Und eine Dusche und ein richtiges Bett.

Dann gehts in den Süden, in die Rhodopen. Die Thrakischen Steinhaufen lassen wir gefliessentlich links liegen. Dafür kurven wir über etliche Passstrassen, passieren grausliche Skiorte und noch recht verschlafene Touristen-Hotspots. Die Bulgaren haben ihre nationale Identität Ende 19. Jh. entdeckt, der Baustil nennt sich Wiedergeburt. Fragt sich bloss von was. Schön ist es trotzdem.  Zum Beispiel in Zlatograd, an der griechischen Grenze.

Die Schluchten und Höhlen von Trigrad und Buynovo sind spektakulär, da kann die Via Mala gleich einpacken. Bären solls auch geben, wir sehen wiederum mal einfach gar keine. Und dann müssen wir es einmal mehr wissen. Was die Einheimischen mit ihren Eselskarren können, schaffen wir auch mit dem Toyo. Eine Abzweigung falsch genommen, in der ausgewaschenen Piste am Steilhang etwas falsch gefahren und schon liegt der Karren fast auf der Seite. Es braucht eine Minute um Reinzufahren und dann über eine Stunde um wieder rauszukommen. Aber über die Berge wollen wir dann doch weiter, es geht ja auch, nur die Velos leiden wiederum sehr. Schön wars allemal. Und dafür haben wir dann 2 Nächte in einem ordentlichen Hotel verdient.

In den Bergen frieren wir mal wieder und besuchen das grösste Kloster von Bulgarien in Rila (nur noch 10 Mönche, es waren mal 400, mir scheint die haben ein Nachwuchsproblem). Alt ist es nicht, aber ganz in Ordnung. Leider verpassen sie uns hier das grässlichste Essen der bisherigen Reise und die Synthetikdecken vermögen die Kälte der Nacht nicht zu bändigen.

Schnell weiter in den Süden, dem Wein und Griechenland entgegen. Wir landen in Melnik, ein wunderschönes Wiedergeburts-Dorf (sozusagen Architektur-Reservat, noch nicht Unesco-zertifiziert, aber das kommt sicher noch). Es ist warm, das Hotel bestens und das Essen und der Wein hervorragend. Wir bleiben und überlegen uns mal die kurzfristigen Pläne (was machen wir denn in Griechenland???) und die etwas längerfristigen (eigentlich könnten wir ja auch nach Senegal und auf die Kapverden gehen statt nach Neuseeland). Nun, wir werden euch berichten.

Constanta: Der herbe Charme der Nachsaison

Nun sind wir also am Schwarzen Meer. Eine steife Brise weht uns den herben Charme der Nachsaison ins Gesicht. Die Parties sind ausgefeiert, der Strand gähnt vor Leere und das Wasser ist kühl. Irgendwas haben wir wohl verpasst. Die Melancholie nutzen wir und sagen Rumänien ade. Mal schauen was die Nachbarn zu bieten haben.

20130909-214957.jpg

20130909-215006.jpg

Und dann noch die kleine Geschichte zum Schluss: auf dem bisher einzigen Meter Sand (nämlich auf dem Camping) schaffe ich (klar, Daniela) es, den Wagen zu versanden. Es hilft alles Gas geben nichts, Luft wird abgelassen und ich schaufel mal die Blattfedern frei. Naja, wir wollten ja eh gern in die Wüste… Ralph nimmt’s erstaunlich gelassen.

Moldova und Maramures. Der Nordosten

…präsentiert sich leider arg garstig. Kaum fahren wir nordostwärts, fängt es zu regnen an. Und hört gleich eine ganze Woche nicht mehr auf. Es ist kalt und nass und grau und wir tingeln von einer Pension zur nächsten (ich musste Ralph nicht mal überreden, auch er hat keine Lust auf nasses Campen). Passend dazu einige Impressionen aus der sozialistischen Ära. Und weils so grässliches Strätztwetter ist gleich zum Autofenster raus fotografiert:

Dafür werden wir in der Moldova belohnt mit den wunderschönen Klosterkirchen, die nicht nur innen, sondern eben auch aussen komplett bemalt sind (klar, auch wieder Unesco-Weltkulturerbe). Ein besonders schönes Exemplar einer solchen Kirche steht in Voronet. Das Bildprogramm folgt den immer gleichen Regeln, mindestens das Jüngste Gericht und der Baum Jesse müssen draussen mit dabei sein. Innen gibts dann das orthodoxe Kalenderjahr und natürlich die ganze Vita Christi. Es wird in diesem Land ja viel gebetet und Kirchen gebaut. Dafür sind die Orte noch recht nett, nicht total überfüllt und die Touri-Ramsch-Buden halten sich auch in Grenzen. Wir lassen uns aber trotzdem hinreissen und kaufen mal sicherheitshalber ein Kreuz und eine Madonna mit Saugnapf und kleben sie hinter die Scheibe (ein richtiger Rumäne hat davon mindestens 5 an der Scheibe kleben. Bei dem Fahrstil kein Wunder. Zu helfen scheints aber kaum).

Weiter gehts etwas westwärts, an die ukrainische Grenze in die Maramures. Hier gibts nun Kirchen komplett aus Holz (genau, auch wieder Unesco-Weltkulturerbe). Innen sind sie wieder ganz bemalt (die Orthodoxen haben einen sehr ausgeprägten horror vacui…) und aussen kommt dann noch ein malerischer Friedhof mit Apfelbäumen dazu, sehr fotogen das Ganze. Und dazu gesellt sich noch ein neues Kloster-Ensembles (nicht Unesco zertifiziert, aber trotzdem hübsch).

Ein kleiner Exkurs zum ländlichen Rumänien: Der Norden ist stark vom Holz geprägt (obwohl ja ganz Rumänien unglaublich viele und grosse Wälder aufzuweisen hat), besonders in der Maramures sind die alten Häuser auch häufig reich verziert. Eine besondere Vorliebe haben sie für mächtige Eingangstore und verspielte Häuschen für die Ziehbrunnen (fast jedes Haus hat einen solchen). Und hier oben begegnen uns nun auch auf Schritt und Tritt die Pferdefuhrwerke, die alles Erdenkliche transportieren. Und natürlich darf auch der Markt nicht fehlen (den grossen lassen wir leider aus, denn ja, es giesst mal wieder wie aus Kübeln).

Schliesslich landen wir in Viseu de Sus, ein kleiner Ort, der an sich nicht besonders attraktiv. Es ist dies nun eine ehemals österreichische Siedlung, hier waren die Zipser zuhause. Viseu de Sus war bis zum 2.WK fast zur Hälfte jüdisch, daran erinnert nur noch der verlassene Friedhof. Und hier fährt die letzte Dampfeisenbahn von Rumänien, die wird sogar noch gebraucht, um das geschlagene Holz aus dem Tal zu holen (wos keine Strasse hingibt. Und das Holz wird natürlich mit Dieselloks geholt, die Dampfloks sind für die Touristenzüge). Unsere erste Fahrt klappt leider noch nicht ganz. Nach 20min ist die Dampflok kaputt, wir müssen in den Ort zurück. Dann gehts nochmals los mit einer Diesellok, aber nach 30min (immerhin etwas weiter hinten) ist auch da Schluss. Eine Schiene hat sich beim Drüberfahren gleich auf die Seite gelegt. Wenigstens ist der nächste Wagen nicht gekippt, aber weiter gehts nicht mehr. Eine grosse Aufregung, viel Warterei, aber lustig wars trotzdem. Beim zweiten Anlauf klappt dann alles wie am Schnürchen. Beim touristischen Ausbau war übrigens ein Schweizer massgeblich beteiligt, man siehts an den Wagen, in denen wir sassen…

Und jetzt geht es definitiv wieder in den Süden, ich habe genug von kalten Füssen. Wir fahren Richtung Donaudelta und dann ruft schon bald das Schwarze Meer!

Siebenbürgen: „Man sagt Hermannstadt und Schässburg!“

…und nicht etwa diese komischen neumodigen Namen Sibiu und Sighisoara. Obwohl es ja in ganz Siebenbürgen nicht mehr allzu viele Deutsche gibt. Die Städte sind wunderschön, die Dörfer ebenso. Jede Volksgruppe hat ja ihren eigenen Stil des Häuserbauens, derjenige der Sachsen ist wirklich sehr schön. Die beiden grossen Städte locken mit vielen restaurierten Prachtbauten und allem was dazu gehört. In Sibiu im ethnographischen Museum haben sie sogar eine veritable Mumie! Hier mal ein paar Impressionen von Hermannstadt:

Und dann auch gleich noch Schässburg:

Das besondere an Siebenbürgen sind die imposanten Kirchenburgen (die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören). Um die Kirche wurde eine dicke Mauer gebaut mit kleinen Häuschen oder Räumen für jede Familie. Bei einem Überfall konnte so das ganze Dorf dort Zuflucht suchen und war gut geschützt. Und zu einer richtigen Kirchenburg gehört dann noch ein Speckturm, da wurde das ganze Fleisch aller Familien gelagert und am Sonntag nach dem Kirchgang konnte man sich dann ein Stück für die ganze Woche holen. Ein besonders schönes Exemplar einer Kirchenburg steht im Dorf Weisskirch (oder Viscri). Das ganze Dorf steht unter Schutz (quasi Ballenberg, aber ganzjährig belebt). Das Unschöne daran: die Armen dürfen keine neuen Häuser bauen oder Strassen asphaltieren oder eine Kanalisation installieren. Daür hat dann auch Prinz Charles ein Ferienhaus da (kein Witz, der macht sich ganz stark für diese Sitftung). Den haben wir nicht gesehen, dafür hatten wir anderweitigen Promi-Watch. Wir sitzen in der Dorfkneipe bei Suppe und Brot, da kommt Peter Maffay um die Ecke und speist auch gleich da (seine Eltern kommen aus der Gegend, klar macht er sich auch stark für die Restaurierung eines dieser Dinger).

Nach soviel Stadt, Kultur und Sightseeing brauchen wir wieder mal eine Pause, die war dann ausgiebig auf einem wunderschönen Campingplatz unter niederländischer Führung auch einlegen (die Niederländer führen die schönsten Plätze in ganz Rumänien. Keine Ahnung, was die alle dahin verschlagen hat). Und dann machen wir uns auf in den Norden…