Archiv für den Monat: August 2013

Transsilvanien

Und ja, es geht wieder in die Berge, dieses Mal zu einer Wetterstation, wo man eigentlich hinwandert und allenfalls mit dem Bike hinfährt. Wir halt gleich mit dem groben Geschütz vors Haus gefahren, aber das tut der Freude keinen Abbruch, wir werden herzlich willkommen geheissen und verbringen nette Tage mit Heidelbeeren sammeln und noch mehr Heidelbeeren sammeln. Nur die Hirtenhunde sind etwas mühsam, die blöden Viecher entführen dann auch gleich noch meine Schuhe, zum Glück finden wir sie mit vereinten Kräften wieder.

Das Fahren hat ja so seine Tücken, die Kleine liebt es immer noch nicht. Darum muss man die Gunst der Stunde nutzen: Madleina schläft und es geht erst mal flott los, auf gutem Asphalt Richtung Baile Herculane, ein Kurort aus der k. und k. Zeit, wo sogar die holde Sissy gebadet hat. Heute präsentiert sich das Ganze etwas prosaischer, die alten Zuckerbäckerkästen und Bäder sind von ausgesucht hässlichen sozialistischen und post-sozialistischen (was noch viel schlimmer ist) Bauten umzingelt, die Inlandtouristen stehen sich auf dem Füssen rum. Kurz und gut, es graut uns doch ziemlich (und wir schaffen es nicht mal, ein Foto zu schiessen). Und darum ziehts und auch schnell weiter (nach einem Bad in der heillos überfüllten und mit grässlichster Musik beschallten Badi. Aber die Kinder nölen und da ist etwas Wasser immer eine gute Idee). Ein Übernachtungsplatz ist schnell gefunden, auch wenn der Müll dieses mal übelste Ausmasse hat. Dafür haben wir nette rumänische Nachbarn, dank der Kinder werden wir gleich mitgefüttert und mit bestem Zwetschenschnaps versorgt.

Und dann folgt der wirklich erste hohe Pass mit 2’100m. Wir fahren die Transalpina, eine gut ausgebaute Strasse, die steil und mit vielen Kehren hochführt. Auf dem Gipfel ein Wander- und Skiort (nun, Lifte gibts zwar nur 2, aber die sehen mal recht seriös aus). Wir ziehen den Wald dem wiederum heillos überfüllten Ort vor.

Und dann gehts wieder runter, diesmal über abenteuerliche Feldwege (wo wir das Auto fast den Hang runterschicken, weil ich nicht gut aufgepasst habe. Aber mit vereinten Kräften und zwei Rumänen stehen wir wieder bestens auf der Piste). Im Tal dann wieder ein solch prächtiger Ort aus der sozialistischen Ära (die Industrialisierung wurde mit Riesenschritten ins Land gebracht). Und weils in den Bergen eben doch schöner ist, gleich auf der anderen Seite wieder hoch, in die Berge, die dann runter nach Sibiu, ins Zentrum von Siebenbürgen führen.

Das Liebste der Rumänen scheint übrigens das Campen zu sein. Ich war ja anfangs etwas skeptisch mit dem wild Campieren, aber das wird hier so ausgbiebig gemacht, dass man weder Angst vor Bären noch vor sonst wie ungebetenem Besuch fürchten muss. Jeder noch so kleine Platz und sei er auch gleich an der Strasse, wird genutzt und besonders am Wochenende ist alles voller Autos, Zelte, Grills und netter Musik.

Irgendwie ist es ja schon verhext. Sind wir in der Ebene, dann sterben wir fast vor Hitze. Und kaum in den Bergen gibts ein Gewitter nach dem anderen. Wir haben aber ziemlich Glück, es streift uns meist nur und wenn, dann regnets in der Nacht. Der weisse Haufen sind übrigens Hagelkörner, das Gewitter haben wir nur gehört, als wir da aber doch ein paar Stunden später vorbeigefahren sind, liegen die immer noch im Strassengraben.

Es gibt in Rumänien nicht nur Berge und Wälder in Hülle und Fülle, sondern auch Beeren. Die Berghänge sind voller Heidelbeeren (die Madleina und Valentin ohne Ende futtern können, mir hängen sie schon zum Hals raus). Und auch Erdbeeren und Himbeeren finden sich gleich am Wegesrand. Und wenn man zu faul ist um sie selber zu pflücken, dann gibts alle paar Hundert Meter an der Strasse einen Verkäufer, der eines von allem oder auch gleich mal alle Beeren im Angebot hat. Und an den wirklich touristischen Orten (wie der Transalpina) sind das dann ausgewachsene Verkaufstrassen, wo noch Honig, Käse, Confi, Schnaps und übelster Tourikitsch made in China verkauft wird.

Endlich 5!

Nächste Station ist Borlova, ein Kaff in der Nähe von Caransebes (was ein etwas grösseres Kaff ist). Wir sind nun im gefährlichen Transsilvanien, aber immer noch keine Bären oder Feldermäuse in Sicht. Auf dem Camping treffen wir Karin und Co., die auch auf einer Rumänientour sind. Wir geniessen es und bleiben statt einer Nacht gleich drei. Was sicher auch ganz stark der Mamma Dumi zu verdanken ist, die einfach viel zu gut kocht.

Und dann kommt endlich der grosse Tag, der 8.8. und da freut sich ein grosser Junge schon seit Wochen drauf. Der Geburtstag von Valentin wird gefeiert mit allem drum und dran, Geschenke, Singen, selbstgebackener Kuchen (klar, den hat Mama Dumi gemacht). Das Grösste ist natürlich der Feldstecher (herzlichen Dank an Oli!), der ist nun rege in Betrieb und alles was da kreucht und fleucht wird beobachtet.

Im Nachbardorf lebt ein Deutscher, der sein eigenes Bier braut, klar, da mussten wir natürlich auch hin. Es hat sich gelohnt! Es wird gleich ein Harass auf den Gepäckträger geladen, so können wir auch die folgenden Abende ausgiebig geniessen. Wir sitzen uns mal wieder so richtig fest, aber nach drei Tagen und immer noch einer unglaublichen Hitze (wir sind halt wieder in der Ebene) zieht es uns dann doch wieder weiter. Wenn nur das Zusammenpacken nicht wäre… Das dauert immer so seine zwei Stunden und weil wir ja keine Frühaufsteher sind, ist es dann eben schon wieder viel zu heiss.

Ab in die Karpaten

Wir schaffen es doch noch, die Lethargie der Hitze zu überwinden und starten, welch Ironie, am ersten Regentag Richtung Berge. Vorbei am fruchtbarsten Teil des Landes fahren wir durch die wunderprächtig sozialistische und gaaanz leicht heruntergewirtschaftete Stadt Resita mit den riesigen, still vor sich hinrostenden Bergwerksruinen. Und dann haben wir es endlich geschafft, es geht in immer engeren Kehren ins Gebirge. Alles wunderbar, nur das Wetter nicht. Nach einem längeren Disput, den ich für mich entscheiden konnte (und mir einen herrlich sauren Ehemann eingebracht hat), landen wir im wohl schrägsten Hotel Rumäniens (statt wild campierend im Zelt), im Gasthof Tirol. Alles ist stilecht, bis zu den Vorhängen und den Lederhosen und Trachten der Mitarbeiter. Auch das Setting rundherum stimmt, so dass man sich wirklich im Tirol wähnt. Am nächsten Tag scheint wieder allseits die Sonne und wir erklimmen unseren ersten Pass (ja klar, mit dem Auto). Der heisst Semenic und bietet was ein Pass halt so bietet. Runter gehts über Weiden und durch einen märchenhaften, uralten Buchenwald und dann steht dem wildcampen am Lac Secul (bei Valiug, im östlichsten Teil der Karpaten) nichts mehr im Wege. Einen Platz zu finden ist nicht ganz einfach, denn das Campen ist die grosse Leidenschaft der Rumänen. Unsere Schritte sind übrigens immer noch klein, wir sind nur gut 100km von Timisoara entfernt.